Wall Street reagiert nervös auf schwache Jobdaten

Die internationalen Finanzmärkte sind zum Wochenschluss von einer doppelten Belastung getroffen worden: Ein unerwartet schwacher US-Arbeitsmarktbericht verschlechterte die Stimmung an der Wall Street, zugleich bleibt der Krieg im Nahen Osten ein permanenter Unsicherheitsfaktor für Anleger, Unternehmen und Notenbanken. Die Folge war ein breiter Kursrutsch an den wichtigsten Börsenplätzen.

Zum Handelsauftakt verlor der Dow Jones fast 2 Prozent und fiel auf 47.063 Punkte. Auch der S&P 500 geriet mit einem Minus von rund 1,5 Prozent unter Druck und sank auf 6727 Zähler. Der Nasdaq Composite gab ebenfalls etwa 1,5 Prozent nach und notierte bei 22.468 Punkten. Damit setzte sich die Nervosität fort, die die Märkte bereits seit Tagen prägt.

Besonders alarmierend wirkte der Blick auf den US-Arbeitsmarkt. Statt des von Ökonomen erwarteten Zuwachses von 59.000 Stellen gingen im Februar unter dem Strich 92.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft verloren. Gleichzeitig wurde der Januarwert nachträglich von 130.000 auf 126.000 Stellen nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote stieg zudem überraschend von 4,3 auf 4,4 Prozent.

Fed bleibt trotz Rückschlags auf Wartemodus

Für die Geldpolitik der US-Notenbank sind diese Zahlen von erheblicher Bedeutung, denn der Arbeitsmarkt zählt neben der Inflation zu den wichtigsten Orientierungsgrößen der Fed. Dennoch mehren sich Stimmen, die trotz der enttäuschenden Daten keine rasche Zinssenkung erwarten.

Der Ökonom Bastian Hepperle von Hauck Aufhäuser Lampe ordnete die Entwicklung differenziert ein. Er sagte: „Der kräftige Beschäftigungsrückgang überrascht, ist zum Teil streikbedingt.“ Zugleich betonte er, dass sich „im Trend ein moderater Beschäftigungszuwachs fortsetzen“ dürfte. Für die Fed seien die Risiken am Arbeitsmarkt derzeit noch nicht so groß, dass sofortiger Handlungsdruck entstehe.

Auch die Aussagen aus der Notenbank selbst deuten in diese Richtung. Christopher Waller, Gouverneur der Federal Reserve, erklärte in einem Fernsehinterview, der Krieg im Nahen Osten werde die Preise in der Gesamtwirtschaft „wahrscheinlich nicht so stark in die Höhe treiben, dass eine Reaktion der Fed erforderlich sei“. Waller ergänzte: „Für uns, im Hinblick auf die künftige Politik, ist es unwahrscheinlich, dass dies eine anhaltende Inflation verursachen wird.“ Höhere Energiepreise müssten nicht automatisch in einen dauerhaften Kerninflationstrend übergehen. „Das ist ein Grund, warum wir die Energiepreise nicht berücksichtigen, wenn wir uns die Kernrate ansehen“, sagte er.

Krieg und Trumps Rhetorik verschärfen die Unsicherheit

Neben den Konjunkturdaten belastete vor allem die geopolitische Lage. Der fortdauernde Krieg mit Iran-Bezug hält die Märkte in Atem. Zusätzliche Verunsicherung löste US-Präsident Donald Trump aus, als er vom iranischen Regime die „bedingungslose Kapitulation“ verlangte und zugleich erklärte, kein neues Abkommen mit Teheran abschließen zu wollen. Diese Wortwahl verstärkte die Befürchtung, dass der Konflikt länger dauern und wirtschaftlich schwerer wiegen könnte als zunächst angenommen.

Die Wirkung war auch in Europa deutlich sichtbar. Der DAX rutschte vor Beginn des US-Handels zeitweise um 1,8 Prozent auf 23.372 Punkte ab. Der EuroStoxx50 verlor 2,0 Prozent und fiel auf 5672 Zähler. Im Tagesverlauf kam es zwar zu mehreren Richtungswechseln, doch der Grundton blieb defensiv. Zwischenzeitlich notierte der DAX bei 23.733 Punkten, später bei 23.587 Punkten, was die hohe Volatilität unterstreicht.

Der Euro geriet parallel unter Druck und fiel zeitweise bis auf 1,1553 Dollar. Zuletzt lag er bei rund 1,1574 Dollar. Auch hier spiegelte sich die Flucht vieler Investoren in den US-Dollar wider.

Ölpreis springt, schwankt und bleibt das zentrale Risiko

Besonders stark stehen die Rohstoffmärkte unter Spannung. Der Ölpreis reagierte in diesen Tagen beinahe im Stundentakt auf politische Meldungen, militärische Risiken und Spekulationen über Gegenmaßnahmen der USA. Das US-Öl WTI sprang zeitweise um 8,3 Prozent auf 85,42 Dollar je Fass und markierte damit den höchsten Stand seit April 2024. Das Nordseeöl Brent stieg um 5,5 Prozent auf 88,83 Dollar und erreichte ein 23-Monats-Hoch.

Seit Wochenbeginn summierten sich die Aufschläge bei Brent und WTI auf rund 16 beziehungsweise 19 Prozent. Zeitweise kam es zwar auch zu Gegenbewegungen. Brent verbilligte sich zwischenzeitlich auf 83,16 Dollar, WTI fiel kurzzeitig auf 78,24 Dollar zurück. Auslöser waren Hoffnungen auf politische Eingriffe. Ein Vertreter des Weißen Hauses brachte Maßnahmen am Öl-Terminmarkt ins Spiel. Zudem wurden Ausnahmegenehmigungen für den Kauf sanktionierten russischen Öls diskutiert, um Lieferengpässe abzufedern.

Doch die strukturelle Sorge bleibt. Saad al-Kaabi, Energieminister von Katar, warnte in drastischen Worten, dass innerhalb weniger Wochen sämtliche Energieexporteure am Golf ihre Lieferungen einstellen könnten. Der Ölpreis könne dann auf 150 Dollar pro Barrel steigen. Selbst im Fall eines sofortigen Kriegsendes würde es laut Kaabi „Wochen bis Monate“ dauern, bis ein normaler Lieferzyklus wiederhergestellt wäre.

Einzelwerte zeigen die wirtschaftlichen Folgen der Krise

An den Aktienmärkten spiegelte sich die Entwicklung auf Branchenebene deutlich wider. Fluggesellschaften litten besonders unter dem hohen Ölpreis. Die Aktien von American Airlines, United Airlines und Delta Air Lines verloren zwischen 3,6 und 5,2 Prozent. Höhere Kerosinkosten verschlechtern unmittelbar die Margen der Branche.

Auch außerhalb des Energiesektors gab es heftige Reaktionen. Der Modehändler Gap brach nach einem enttäuschenden Ausblick um 13 Prozent ein. Auf der Gewinnerseite standen dagegen Energiekonzerne wie Occidental Petroleum und NextDecade, deren Aktien jeweils um rund 1 Prozent zulegten.

Am Edelmetallmarkt zeigte sich ein gemischtes Bild. Gold stieg zunächst auf bis zu 5130 Dollar je Feinunze, gab einen Teil der Gewinne aber wieder ab und notierte zuletzt knapp unter 5100 Dollar, was einem Tagesplus von 0,4 Prozent entsprach. Silber verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 82,675 Dollar. Analysten verweisen darauf, dass die Funktion von Gold als Krisenwährung derzeit durch die Stärke des US-Dollars begrenzt wird.

Immobilien in Deutschland steigen schneller als die Inflation

Abseits der akuten Börsenturbulenzen lenkten neue Prognosen auch den Blick auf den deutschen Immobilienmarkt. Analysten erwarten, dass die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland in diesem Jahr um 3,3 Prozent steigen. Für 2027 und 2028 wird jeweils ein Plus von 3,0 Prozent vorhergesagt. Die Verbraucherpreise dürften im selben Zeitraum dagegen nur um rund 2 Prozent zulegen.

Damit verschlechtert sich die Erschwinglichkeit für Erstkäufer weiter. Schon seit dem Tiefpunkt Anfang 2024 sind die Preise um fast 6 Prozent gestiegen. Zugleich nahmen die Baugenehmigungen 2025 erstmals seit vier Jahren wieder zu. Die Erholung des Marktes ist damit erkennbar, bleibt aber anfällig.

Asien mit uneinheitlichem Bild

Auch in Ostasien hinterließ die Gemengelage aus Krieg, Ölpreis und US-Arbeitsmarktschock Spuren. Allerdings fielen die Reaktionen dort weniger einheitlich aus. Der Kospi in Seoul verlor 0,5 Prozent, der S&P/ASX 200 in Sydney schloss 1,0 Prozent tiefer. 

Der Nikkei 225 in Tokio konnte sich hingegen von anfänglichen Verlusten erholen und legte 0,5 Prozent zu. Auch der Shanghai Composite tendierte fester, während der Hang Seng Index sogar 1,6 Prozent gewann.

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